Archetypen in der Teamsupervision

Konflikte und Spannungen in Teams haben oft viele Gesichter. Sie sind nicht nur Ausdruck von Situationen oder Prozessen, sondern spiegeln auch unterschiedliche Wertehaltungen und innere Ausrichtungen der Beteiligten wider. Je nach Kontext treten bestimmte Seiten in uns in den Vordergrund und prägen unser Verhalten und unsere Interaktionen.

So kann ich bei der Arbeit beispielsweise dafür bekannt sein, Veränderungen voranzutreiben und eine abenteuerlustige Seite zu zeigen, während ich privat eher für feste Strukturen und Kontrolle eintrete. In meinem Freundeskreis tritt vielleicht noch eine andere Seite von mir stärker hervor. Unser Verhalten ist also immer kontextabhängig.

Das Modell der Archetypen soll daher nicht als Schubladisierung oder starre Einordnung verstanden werden. Vielmehr ist es ein Werkzeug, um Muster und Dynamiken im jeweiligen Kontext besser benennen und sichtbar machen zu können. Dadurch wird nicht nur das Verhalten einzelner verständlicher, sondern auch die Dynamik im Team erhält eine zusätzliche Perspektive.

In der Supervision kann die Reflexion über Archetypen helfen, sprach- und handlungsfähig zu werden für die unterschiedlichen Haltungen im Team. Hinter jedem Verhalten steckt schlussendlich eine gute Absicht. Die Arbeit mit den Archetypen hilft, diese sichtbar zu machen.

Der Rebell beispielsweise, der bestehende Strukturen immer wieder hinterfragt, hilft einer Organisation, sich stetig weiterzuentwickeln und steht für Wandel und Innovation ein. Eine Person hingegen, die sich kritisch gegenüber Neuerungen zeigt und auf bestehende Strukturen und Regelungen besteht, sorgt dafür, dass Risiken sorgfältig abgewogen werden und Bewährtes erhalten bleibt.

Paradoxerweise entsteht nachhaltige Zusammenarbeit nicht durch Gleichheit, sondern durch die Anerkennung von Individualität. Archetypenarbeit hilft Teams zu verstehen, dass verschiedene Bedürfnisse, Werte und Herangehensweisen keine Störung sind, sondern eine Ressource.

Teams und Organisationen funktionieren in der Regel besonders gut, wenn eine hohe Diversität an Perspektiven vorhanden ist. Es braucht die Energie des Vorantreibers ebenso wie den ruhigen Blick der Absichernden, die Fähigkeit zur Beziehungspflege ebenso wie die Bereitschaft, neue Wege zu erkunden.

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Selbstorganisation eine Antwort auf die zunehmende Komplexität in der Sozialen Arbeit?

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Stress erleben, eine hypnosystemische Perspektive